Bei unseren Modelshootings im Fotostudio darf eines nie fehlen: Eine Inszenierung als Twilight-Fanboylie, Humor und das Spiel mit Klischees. Fast schon Tradition hat es deshalb, dass jedes Model einmal als Twilight-Fanboy posieren muss. Schuld daran ist ein Kinoabend, den ich nie vergessen werde.
Seinerzeit, als diese amerikanische Vampir-Schmonzette Ăźber unsere Leinwände flimmerte, wollte ich mit ein paar Freunden alle Folgen der Biss-Reihe im Kinopolis Bad Godesberg genieĂen. Der Plan war klar: Fantasy, Popcorn, viel Gelächter. BlĂśd nur, dass ich die Tickets besorgte â in Eile, ohne genauer hinzuschauen.
Ladys Night.
Ein Abend, exklusiv fĂźr weibliche Fans.
Kurz vor 20 Uhr betreten wir den Saal, in dem der Twilight-Filmabend lief. 500 Frauen starren uns an.
Was wollen DIE denn hier?
Kurzer Blickwechsel in unserer Gruppe: Flucht unmĂśglich, der âFeindâ in der Ăberzahl. Also hinsetzen, Brust raus, Stirn hoch.
Dann begann ein Abend, der jeder Comedyshow Konkurrenz machte. Links die Taylor-Lautner-Fraktion, rechts die Robert-Pattinson-JĂźngerinnen. Sobald Werwolf Jacob sein Sixpack zeigte, tobte der Saal. Kam Vampir Edward mit Glitzerhaut und Schwiegermutters-Darling-Lächeln ins Bild, flogen gefĂźhlt gleich die Slips. Es war wie ein Champions-League-Finale â nur mit Prosecco statt Bier, und Kreischen statt grĂślender Fangesänge.
Wie der Twilight-Fanboy entstand
An diesem Abend wurde endgĂźltig klar: Wenn mir nochmal jemand erzählt, Muskeln, Sixpack und Coolness seien Frauen âegalâ â sorry, aber da starb der Feminismus einen qualvollen Tod.
Doch der eigentliche HÜhepunkt kam in der Pause. Vor dem Saal herrschte das ßbliche Gemurmel, Gekicher und Gläsergeklirr. Dann plÜtzlich Stille. Und in diese Stille hinein sprach ein Fangirl den Satz, der dem Feminismus endgßltig den Gnadenstoà versetzte:
âScheiĂ auf den Ritter auf weiĂem Pferd â ich will einen Vampir mit Volvo!â
Wer die Filme kennt, weiĂ, was gemeint ist: Bella Swan, bedroht von ein paar bĂśsen Jungs, wird nicht etwa von einem Helden in RĂźstung gerettet, sondern von Edward Cullen, der im Volvo mit quietschenden Reifen angerauscht kommt. Ritterromantik war gestern â Volvo ist das neue Einhorn.
Der Satz hallte nach â und dann brandete ein kollektiver Seufzer durch das Foyer, so mächtig wie ein Tsunami. Alles, was mutige Frauen im Kampf fĂźr Gleichberechtigung erstritten hatten, wurde unter einem Meer aus hormongetränkter Schwärmerei begraben.
Und mittendrin die armen Begleiter: Freunde, Brßder, Verlobte, Ehemänner. Deren Gesichter sprachen Bände. Stirnen in Neonlettern:
âWas, verdammt nochmal, hat dieser scheiĂ Vampir, was ich nicht habe?â
Wir â die kleine Gruppe von Fantasyfans â mussten uns schwer zusammenreiĂen, nicht laut loszuprusten.
Ein paar Wochen später stolperte ich auf einer Convention Ăźber ein Twilight-Fangirl-Shirt. NatĂźrlich kam es sofort in meinen Fundus fĂźr Fotoshootings. Seither gilt bei mir im Studio die eiserne Regel: Jedes Model, jeder Creator muss mindestens einmal als Twilight-Fanboy vor die Kamera. Glitzer optional. Volvo leider nicht vorhanden. đ
In meiner Fotografie widme ich mich ja eher dem strahlenden Ritter, der mit dem Drachen abzieht und frĂśhlich Party macht, aber seit diesem Kinoabend wird das Klischee Twilight mit Leben gefĂźllt.