Grabbys 2026 – große Bühne für Studios, wenig Raum für Creators und Fotografen
Grabbys 2026 - the Awards that unite us?

Grabbys 2026 – große Bühne für Studios, wenig Raum für Creators und Fotografen

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Unsere Reise zu den Grabbys 2026 nach Torremolinos begann – wider Erwarten – mit einem echten Highlight. Die über 2.300 Kilometer lange Anfahrt durch Luxemburg, Frankreich und Spanien war entspannt, flüssig und fast schon erholsam. Wer den deutschen Autobahnalltag mit Baustellen, Tempowechseln und Stress gewohnt ist, erlebt in Luxemburg, Frankreich und Spanien eine ganz andere Form des Reisens. Drei Fahrtabschnitte zwischen 500 und 900 Kilometern – und wir kamen abends erstaunlich ausgeruht im Hotel an.

In Torremolinos angekommen, richteten wir im Hotel Ritual neben unserem Zimmer ein separates Apartment als mobiles Studio ein. Im Vorfeld hatten zahlreiche Creators Interesse an Shootings angemeldet – und genau diese Arbeit wurde im Nachhinein zu einem der wenigen echten Mehrwerte der Grabbys.

Der eigentliche Mehrwert der Grabbys: Begegnungen mit Creators

Aus Südamerika zu den Grabbys 2026 angereist. - ob es sich für diese Twinks gelohnt hat?
Aus Südamerika zu den Grabbys 2026 angereist. – ob es sich für diese Twinks gelohnt hat?

Abseits der offiziellen Veranstaltung entstanden spannende Begegnungen: Creators mit unterschiedlichsten Hintergründen, Motivationen und Arbeitsweisen. Vom politisch engagierten Berliner Schauspieler, der als Creator mehr verdient als im Theaterbetrieb, über den Assistenzarzt mit Nebenjob, bis hin zu internationalen Creator-Paaren und Produktionsgruppen – die Szene der Gay Content Creators ist sehr vielschichtig.

Diese Gespräche und Shootings waren inspirierend – und sie machten gleichzeitig deutlich, wo für uns das eigentlich interessante Thema liegt: bei unabhängigen Creators, nicht bei den klassischen Studios der schwulen Erwachsenenunterhaltung.

Die Grabbys selbst: Fokus klar auf große Studios

Die offiziellen Programmpunkte – Fashion Show, Red Carpet und Award-Show – vermittelten dagegen ein anderes Bild. Hier wurde schnell deutlich, dass sich die Veranstaltung primär an große Produktionsstudios und deren Markeninszenierung richtet.

Der Laufsteg im Pool im Hotel Ritual, auf dem sich Models während der Grabbys 2026 präsentierten. (Foto: Klaus Maresch)
Der Laufsteg im Pool im Hotel Ritual, auf dem sich Models während der Grabbys 2026 präsentierten. (Foto: Klaus Maresch)

Die wegen Schlechtwetters auf den Samstag verlegte Fashion Show war weniger Mode-Event als vielmehr ein Schaulaufen von Studio-Models. Kurze Walks, kaum Posing, wenig fotografischer Mehrwert. Für Fotografen praktisch keine Möglichkeit, qualitativ hochwertige Aufnahmen zu machen. Was wir zu sehen bekamen, das war eher der unfreiwillige Versuch einer schwulen Antwort auf „Der Teufel trägt Prada!“

Es gibt Fashion-Brands, die sich auf schwule Männer spezialisiert haben, und der Pool mit seinem Laufsteg im Hotel Ritual ist für so einen Grabbys-Catwalk perfekt prädestiniert, aber was wir zu sehen bekamen, das hatte mit einer Modenschau so wenig zu tun wie Donald Trump mit dem Friedensnobelpreis. Da hat der Fundus an Textilien im Fotostudio Vohwinkel ein größeres Angebot an Shirts, Pants, Briefs und Anzügen, um die Maskulinität attraktiver Männer in Szene zu setzen.

Dieses Muster setzte sich beim Red Carpet fort: hohes Tempo, „Next, please“-Taktung durch den offiziellen Fotografen, kaum Zeit für Interaktion oder Bildgestaltung. Für externe Fotografen bedeutete das: kaum verwertbares Material. Hauptsache, wir bekommen das Nebenprogramm abgearbeitet. Lieblos.

Der Eindruck verfestigte sich: Die Veranstaltung ist nicht darauf ausgelegt, Creators oder unabhängigen Medien Raum zu geben – sondern dient in erster Linie der Inszenierung etablierter Studios und Sponsoren. Der „kleine Creator von nebenan“ ist als zahlender Gast jedoch willkommen – ein Schelm, wer Arges dabei denkt.

Arbeitsbedingungen für Fotografen: praktisch nicht vorhanden

Aus fotografischer Sicht waren die Bedingungen insgesamt unzureichend:

  • Keine klar definierten Arbeitsbereiche für Fotografen
  • Keine Möglichkeit, strukturiert zu arbeiten oder Motive aufzubauen
  • Kein Zugang zu Preisträgern (exklusiv für offiziellen Fotografen)
  • Keine sinnvolle Positionierung für Bühnenaufnahmen
  • Keine organisatorische Einbindung trotz Akkreditierung

Selbst einfache und schnell aufbaubare Lösungen – etwa ein zusätzlicher Shooting-Point mit Studioblitz – wurden trotz unseres Angebots ignoriert. Dabei hätte genau das sowohl Creators als auch der Veranstaltung selbst sichtbar mehr Wert gegeben. Es wäre so einfach gewesen, dem anwesenden „kleinen Creator von nebenan“ trotz der Umstände ein Gefühl der Wertschätzung zu vermitteln. Ein umgesetztes „Sorry, das Wetter ist Mist, dafür können wir nichts, aber wir wollen, dass du glücklich und zufrieden bist!“

Vier Fotografen waren vor Ort, ausgestattet mit guten Kameras und Blitzen, in unserem Fall mit einer kompletten Studioblitzanlage. 

Spätestens als auch die Bühnenfotografie faktisch unmöglich wurde, haben wir die Arbeit abgebrochen.

Strukturelle Probleme für Creators

Auch aus Gesprächen mit Creators ergab sich ein kritisches Gesamtbild:

  • Teilweise doppelte Kostenstrukturen (Hotel + zusätzliche App-/Eventgebühren)
  • Eingeschränkter Zugang für externe Gäste und Kollaborationen
  • zunehmende Verdrängung durch Fans großer Studios
  • wenig echte Networking-Möglichkeiten im offiziellen Rahmen

Die unserem Fotografen-Team aus dem Studio Vohwinkel bekannten Creators, die ebenfalls zu den Grabbys angereist waren, sind diese Einschränkungen wohl schon aus den Vorjahren bekannt. Es beklagten sich auch einige Creators darüber, dass sich im Hotel zunehmend weniger Creators, dafür mehr Fans der großen Studios als Creators einfinden.

Es scheint, dass sich das schon im Vorfeld herumgesprochen hat und nicht wenige Creators dazu veranlasst hat, sich ein Quartier außerhalb des Hotels Ritual zu suchen, um erfolgreiche Collabs verabreden zu können. Da zeichnet sich für Creators ein Trend ab, die Grabbys nur als Termin für Collabs wahrzunehmen, um sich um diesen Zeitpunkt herum in Torremolinos für Fotoshootings und Videoproduktionen zu treffen. Mit einer solchen Planung dürften sie viel Geld sparen. Da die Creators untereinander bestens vernetzt sind, könnten die Grabbys dann endgültig zu einer Veranstaltung für die großen Studios und deren Fans werden – eine Annahme, die schon länger im Raum hängt.

Fazit

Für uns persönlich bleiben vor allem die Begegnungen mit Creators und die daraus entstandenen Shootings als positiver Aspekt.

Die Grabbys selbst hingegen bieten aktuell:

  • wenig Mehrwert für unabhängige Creators
  • kaum Arbeitsmöglichkeiten für Fotografen
  • eine klare Ausrichtung auf große Studios und deren Inszenierung

Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, werden die Grabbys künftig eher als zeitlicher Anker für unabhängige Produktionen dienen – nicht mehr als zentrale Branchenplattform.

Tipp für Creators
Besorgt euch ein Appartement außerhalb oder teilt euch ein Haus, und plant eure Collabs am besten außerhalb des Hotels Ritual. Damit lässt sich viel Geld sparen.

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